20 Kinder, fünf Ferientage und eine Idee, die eigentlich selbstverständlich sein sollte: Bei den inklusiven Ferienspielen „Vielfalt verbindet“ des Kreissportbund Düren e. V. verbrachten Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam ihre Ferien. Ein Angebot, das in dieser Form im Kreis Düren bislang einmalig ist – und das zeigte, wie selbstverständlich Inklusion sein kann, wenn man sie einfach lebt.
Manchmal braucht es nicht viele Worte, um zu verstehen, was Inklusion bedeutet. Man muss nur Kindern beim Spielen zusehen.
Da wird eine Hand gereicht, wenn jemand Unterstützung braucht. Es wird gewartet, bis alle so weit sind. Gemeinsam wird ausprobiert, gelacht und entdeckt. Und irgendwann ist nicht mehr entscheidend, wer etwas besonders gut kann oder an anderer Stelle Hilfe benötigt. Genau das war die Idee hinter „Vielfalt verbindet“. 20 Kinder kamen für fünf Ferientage zusammen – die eine Hälfte mit, die andere ohne Beeinträchtigung. Sie spielten miteinander, probierten Neues aus, forderten sich gegenseitig heraus und achteten aufeinander. Mal brauchte jemand Unterstützung, wenig später war genau dieses Kind dasjenige, das einem anderen half. Das Ziel: nicht über Inklusion reden, sondern sie leben.
Für Hanka Moeller, die das Projekt geplant, organisiert und während der Woche geleitet hat, geht es dabei nicht nur um die Kinder: „Inklusion gelingt dann, wenn viele unterschiedliche Menschen ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dazu gehören die Kinder und ihre Familien genauso wie die Menschen, die sie begleiten, und diejenigen, die solche Angebote überhaupt erst möglich machen. Jeder bringt etwas anderes mit – und genau daraus kann etwas Gemeinsames entstehen.“
Die vielleicht wichtigste Frage: „Spielst du mit?“
Bei den Spiel- und Bewegungsangeboten stand nicht im Mittelpunkt, wer schneller ist, wer eine Aufgabe auf Anhieb schafft oder welche Voraussetzungen ein Kind mitbringt. Es ging ums gemeinsame Erleben. Dabei meint Inklusion weit mehr als eine sichtbare oder diagnostizierte Beeinträchtigung. Auch finanzielle und soziale Voraussetzungen, sprachliche Barrieren sowie Flucht- oder
Migrationserfahrungen können darüber entscheiden, ob Kinder teilhaben können. „Vielfalt verbindet“ sollte einen Ort schaffen, an dem zunächst etwas anderes zählt: das Kind selbst. Kinder gehen mit Unterschieden häufig unmittelbarer um als Erwachsene. Sie schauen hin, fragen nach und finden ihre eigenen Wege miteinander. Statt nach Diagnosen oder Lebensgeschichten zu fragen, zählt oft eine viel einfachere Frage: „Spielst du mit?“
Das heißt nicht, dass immer alles auf Anhieb funktioniert. Unterschiedliche Bedürfnisse und Grenzen gehören dazu. Inklusion bedeutet nicht, Unterschiede verschwinden zu lassen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen Verschiedenheit selbstverständlich dazugehören darf.
Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten zunehmend von Abgrenzung und Polarisierung geprägt sind, bekommt diese Erfahrung zusätzliches Gewicht. Wo Fragen nach Zugehörigkeit wieder schärfer verhandelt werden, zeigen solche Begegnungen im Kleinen, was gesellschaftlicher Zusammenhalt bedeuten kann: einander kennenlernen, Unterschiede aushalten und trotzdem selbstverständlich zusammengehören.
Fünf Tage, die bleiben
Wie das aussehen kann, erlebten die Kinder auf ganz unterschiedliche Weise. Neben viel Zeit für Sport, Spiel und Bewegung führten gemeinsame Ausflüge nach Zülpich, wo jedes Kind in der Römertherme eine eigene Seife herstellen konnte, und zur Biologischen Station in Nideggen-Brück. Dort wurde der Wald gemeinsam entdeckt und die Natur mit allen Sinnen erlebt. Doch besonders waren auch die ungeplanten Momente: eine helfende Hand, gemeinsames Lachen, der Mut, etwas Neues auszuprobieren – oder zwei Kinder, die sich zu Beginn der Woche noch fremd waren und wenige Tage später ganz selbstverständlich gemeinsam loszogen.
Aus Begegnungen wurden Verbindungen. Aus einer Gruppe wurde Gemeinschaft.
Zum Abschluss kam die Gruppe noch einmal im Bewegungszentrum in Düren zusammen. Dort wartete mit Uwe Reetz eine musikalische Überraschung: Gemeinsam wurde gesungen und getanzt, bevor die Woche bei einem gemeinsamen Pizzaessen gefeiert wurde. Mit nach Hause nahmen die Kinder am Ende weit mehr als ihre selbst gemachte Seife: Erinnerungen, neue Erfahrungen, Begegnungen und Freundschaften – und das Gefühl, dazuzugehören.
Inklusion braucht mehr als eine gute Idee
Was für die Kinder an vielen Stellen selbstverständlich wirkte, braucht im Hintergrund verlässliche Voraussetzungen. Eine inklusive Ferienwoche benötigt ausreichend Personal, gute Vorbereitung, flexible Strukturen und Menschen, die immer wieder fragen: Was braucht dieses Kind? Was braucht die Gruppe? Wie können alle wirklich teilhaben?
Auch für die Mitarbeitenden, Helferinnen und Helfer und den Kreissportbund Düren e. V. selbst war die Woche deshalb ein Lernraum. Nicht jede Situation lässt sich planen. Lösungen müssen manchmal neu gedacht und Abläufe angepasst werden.
Denn der Erfolg eines inklusiven Angebots bemisst sich nicht daran, möglichst viele unterschiedliche Kinder in einen Raum zu bringen. Entscheidend ist, ob jedes einzelne Kind tatsächlich teilnehmen kann, sich wohlfühlt und seinen Platz findet. Wir müssen nicht gleich sein, um zusammenzugehören. Gerade unsere Verschiedenheit macht Gemeinschaft so wertvoll. Möglich wurde das im Kreis Düren bislang einmalige Ferienangebot durch viele engagierte Menschen und Partner. Der Kreissportbund Düren e. V. dankt allen Kindern und Familien, den Mitarbeitenden sowie Helferinnen und Helfern. Ein besonderer Dank gilt dem Lions Club, der Stadt Düren, der KGS LeNie für die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie Rurtalbus für die Unterstützung des Projekts.
Gemeinsam weiterlaufen
Nach fünf Ferientagen soll die Idee weitergetragen werden. Die nächste Gelegenheit dazu bietet der 3. Inklusionslauf am Freitag, 11. September 2026, von 15 bis 18 Uhr auf der Kreissportanlage der Kaufmännischen Schulen in Düren. Dort kommen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen und setzen gemeinsam ein Zeichen dafür, dass inklusive Begegnungs- und Bewegungsangebote auch zukünftig möglich bleiben. Denn gelebte Inklusion beginnt dort, wo Menschen einander begegnen – und erfahren, dass Verschiedenheit nicht trennt, sondern Gemeinschaft bereichern kann.
Quelle: Kreissportbund
