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Archivschatz des Monats Juli 2020 im Stadt- und Kreisarchiv

Urkunden und ZeitungsausschnitteStadt Düren

Düren. Man schreibt das Jahr 1871 in Düren. Es ist Sommer. Der Deutsch-Französische Krieg ist vorbei, und die Dürener feiern ihre siegreichen Heimkehrer mit einem Festzug und Feuerwerk. Doch die Siegesfreude wird kurz danach gedämpft: eine berüchtigte Krankheit breitet sich allmählich unter der Bevölkerung aus. Es sind die Pocken, auch Blattern genannt. Bis Ende des Jahres werden sich 278 Dürener infizieren und 55 sterben. In Deutschland erliegen 59.839 Menschen der Seuche.
 

Die Kranken werden im Städtischen Badehaus an der August-Klotz-Straße isoliert untergebracht oder zu Hause unter Quarantäne gestellt (mit einer schwarzen Tafel an der Tür: „Hier sind die Menschenblattern“), bis 1885 der Bau der Epidemie-Baracken an der Binsfelder Straße fertig gestellt ist.

Pocken – eine lebensbedrohliche Krankheit

Die typischen Pockennarben gehören im 18. und 19. Jahrhundert zum beinahe alltäglichen Erscheinungsbild der Haut eines Europäers. So wurde etwa in Reisepässen vermerkt, wenn der Inhaber keine Pockennarben hatte.
Zudem können Komplikationen wie Abszesse, Blutvergiftung, Lungenentzündung, Erblindung, Taubheit und Lähmungen auftreten. Die Mortalitätsrate beträgt 25-30%!

 

Düren im Griff der Pockenepidemie

 

Die Epidemie scheint trotz der Isolation der Kranken unkontrollierbar zu sein. 1874 sind 500 Dürener mit Pocken infiziert, 153 von ihnen sterben.
Doch es existiert ein Mittel zur Verhinderung einer epidemischen Ausbreitung: die Impfung, auch Variolation oder Inokulation genannt. Hierzu wird der Inhalt der Kuhpocken verwendet, da diese mit den Menschenpocken eng verwandt sind, einen meist harmlosen Krankheitsverlauf nehmen und zudem immunisieren. Doch die Nebenwirkungen und der unsichere Verlauf der Krankheit verunsichern die Bürger. So tritt am 8. April 1874 das Reichsimpfgesetz in Kraft, das allen Deutschen vorschreibt, ihre Kinder im Alter von einem bis zwölf Jahren gegen die Pocken impfen zu lassen.
Mithilfe dieser Vorschrift lässt sich im Laufe der Jahrzehnte die Krankheit eindämmen, sodass sie nur noch lokal auftaucht, wie 1962 im Landkreis Monschau. Infolge eines Pockenausbrauchs wird auch der Kreis Düren alarmiert und bereitet sich auf eine Ausbreitung der Epidemie in Düren vor. Doch mithilfe von Isoliermaßnahmen und Impfaktionen wird die Seuche eingedämmt.
Durch weltweite Schutzimpfungen sind die Pocken seit Anfang der 1980er Jahre ausgerottet.

 

Kurze Chronik der Pockenkrankheit im Dürener Land

 

1830, Feb. Pockenepidemie in Stadt und Kreis
1835, April Einschleppung der Pocken durch eine aus der
    Wallonie stammende Familie

1868  Impf-Prämie für Pockenimpfung
1871  278 Infizierte, 55 Tote; Städtisches Badehaus als
    Isolierhospital (bis 1885)

1872  29 Infizierte, 5 Tote
1873  Heftiges Auftreten der Pocken mit Todesfällen
1874  500 Infizierte, 153 Tote
1885  Errichtung zweier Epidemie-Baracken an der Binsfelder Straße
1962  Pockenkrankheit im Landkreis Monschau

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