Der 27. Oktober 1909 war für Düren ein ganz besonderer Tag. An jenem Mittwoch wurden gleich zwei bedeutende Gebäude eingeweiht: das Krankenhaus in der Roonstraße und der „Neue Wasserturm“ auf dem Cölnplatz, heute Friedrich-Ebert-Platz, der das Stadtbild Dürens bis zu seiner Zerstörung 1944 maßgeblich mitprägen sollte. Beide Projekte waren von Heinrich Dauer, seit 1907 Stadtbaumeister und Leiter des Hochbauamtes, geplant worden. Der Bau eines neuen Wasserturms war dem Wachstum der Stadt geschuldet. Der Wunsch Birkesdorfs, vom städtischen Wasserwerk mit Trinkwasser versorgt zu werden, sowie die Ausdehnung der Stadt in Richtung Osten und Norden, konfrontierten die Stadtverwaltung mit dem Problem, dass der alte Wasserturm am heutigen Annakirmesplatz nicht mehr ausreichte. Nachdem ein geeigneter Standort für den neuen Turm gefunden worden war, genehmigten die Stadtverordneten am 24. Februar 1908 den von Heinrich Dauer aufgestellten Plan.
Der 1909 eingeweihte Wasserturm war eingebettet in eine halbrunde Anlage, umgeben von Kolonnaden. Vor dem Turm befand sich ein großes Wasserbecken, welches das Wasser der Kaskaden aufnahm und mittig mit 25 m hohen Leuchtfontänen ausgestattet war. Neben der Funktionalität war der Wasserturm damit auch optisch eine Augenweide. An den Ecken des Säulengangs standen zwei steinerne Figuren: ein Bison und ein Elch. Der Turm überstand den Angriff auf Düren am 16. November 1944, jedoch wurde er einen Tag, bevor die alliierte Militärregierung am 25. Februar 1945 ihre Tätigkeit in Düren aufnahm, von deutschen Truppen gesprengt. Die Ruine beseitigte man erst im Oktober 1957. Zwei Jahre später war die vollständige Umgestaltung des Platzes abgeschlossen. Heute befindet sich Dürens größter Kreisverkehr an dieser Stelle.
Im Rahmen des Projektes „Düren 1634 – eine Zeitreise“ ist der sogenannte „Neue Wasserturm“ nun virtuell wieder zum Leben erwacht. Der Dürener 3D-Designer Harry Thiel hat dazu minutiös sämtliche Details dieses ehemaligen Dürener Wahrzeichens digital rekonstruiert. Das Stadtmuseum Düren lieferte hierzu historisches Bildmaterial sowie Stadtpläne. Virtuelle Figuren sowie Fahrzeuge, z.B. eine Straßenbahn bevölkern die Szenerie. Der Film über den Neuen Wasserturm ist ab sofort in der Ausstellung „Düren 1634 – eine Zeitreise“ zu den regulären Öffnungszeiten des Stadtmuseums Düren (immer sonntags, 11-17 Uhr) zu sehen. Der Eintritt ist frei.
