Düren. Computer- und Konsolenspiele verbindet man nicht sofort mit Papier – und doch ist das vermeintlich analoge Material tief in die Geschichte und Gegenwart der Videospiele eingeschrieben. Das Papiermuseum Düren widmet sich diesem unerwarteten Wechselspiel in seiner neuen Ausstellung „Into the Paperverse – Papier und Computerspiel“.
Frühe Computerprogramme wurden in den 1950er bis 1970er Jahren physisch in Papier gestanzt – in sogenannte Lochkarten -, bevor sie auf der Bildfläche erschienen, und noch heute werden Prototypen aus Papier erstellt, während ein Programm entsteht. Mit der Verbreitung des Kartenspiels und der Erfindung des Buchdrucks verankerte sich Papier vor 500 Jahren tief in der europäischen Kultur. Computer und Computerspiele gingen im 20. Jahrhundert aus eben dieser Papierkultur hervor. Anleitungshefte, Weltkarten, Drehscheiben und zahlreiche weitere Beilagen aus Papier begleiteten Spiele von Anfang an und machten das Spielerlebnis erst vollständig.
Gleichzeitig entwickelten sich mit Pen-&-Paper-Rollenspielen wie „Dungeons & Dragons“, mit Spielbüchern und Sammelkartenspielen eigenständige analoge Spielkulturen, die bis heute lebendig sind – und die digitale Spielentwicklung entscheidend beeinflussten. Das erzählende Abenteuerspiel etwa entwickelte sich seit den 1970er Jahren unmittelbar aus dem Fantasy-Roman und dem Choose-Your-Own-Adventure-Buch.
Mit zunehmender Digitalisierung verschwand Papier nicht – es wurde transformiert. Schon seit den 1980er Jahren beginnen Computerspiele, Papiermedien wie Bücher, Zettel und Landkarten visuell darzustellen. Einzelne Spiele wie „Myst“, „Fable“ oder „Two Worlds II“ inszenierten sich dabei gleich als Bücher im Ganzen. „Yoshi’s Story“ (1997) war das erste Spiel, das sich als Pop-up-Buch präsentierte. Die Reihe „Paper Mario“ richtete ab dem Jahr 2000 ihre Spielästhetik so konsequent auf Papier aus, dass sie einem ganzen Genre den Namen gab: den sogenannten Paperverse-Games – die auch der Dürener Ausstellung ihren Titel leihen. Spiele wie „Lumino City“, „Tengami“ oder „Kami“ übersetzen Papier in virtuelle Räume und machen das Material selbst zur Spielmechanik. Hybride Systeme wie Nintendo Labo oder das „Wonderbook“ für PlayStation verschränken physische Papierelemente mit digitaler Interaktion auf neue Weise.
Die Ausstellung „Into the Paperverse“ macht diese vielschichtige Beziehung anschaulich und begreifbar: Sie versammelt originale Produktionsmaterialien und Entwurfsskizzen, Spielbeilagen und -verpackungen mit besonderen sinnlichen Effekten – von der Geruchs-Kratzkarte aus „Leisure Suit Larry: Love for Sail!“ (1996) bis zum in Zaubertinte gedruckten Brief aus „StarTropics“ (1990) -, spielbare Stationen sowie Bücher, die sich digitalen Spielen annähern oder Teil von ihnen sind. Eine eigene Station widmet sich dem lebhaften Austausch zwischen analogen Brettspielen und digitalen Games. Visuelles und materielles Highlight sind die originalen Papierbühnen aus „Lumino City“, die im Spiel als dreidimensionaler Spielraum dienen.
Zur Ausstellung erscheint ein kostenloses Kartenspiel, dessen Karten beim Rundgang gesammelt werden können.
Die Ausstellung „Into the Paperverse – Papier und Computerspiel“ wurde kuratiert von Dr. Christian A. Bachmann, Literatur- und Medienwissenschaftler, Verleger, Kurator und Lehrbeauftragter für Game Design an der Macromedia Hochschule in Berlin. Sie vom 25.04. bis 08.11.2026 im Papiermuseum Düren zu den üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen.
Die Ausstellung wird freundlich unterstützt durch den Museumsverein Düren e.V.
Pressemitteilung: Papiermuseum Düren: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
VERANSTALTUNGEN
Donnerstag, 7.5.2026, 19 Uhr
Im Papieruniversum: Museumsdialog zur Bedeutung von Papier für Spiele und Spielentwicklung
Papier ist mehr als ein Arbeitsmaterial: Es ist Spielfeld und Möglichkeitsraum zugleich. Wie formen No-tizbücher, handgezeichnete Karten und Prototypen aus Papier kreative Prozesse“ Welche ästhetischen und politischen Dimensionen stecken im scheinbar Einfachen“
Im Gespräch erkunden der Dürener Autor Thomas Römer („Das Schwarze Auge“) und Christian A. Bachmann, Kurator der Ausstellung „Into the Paperverse“, die überraschende Bedeutung des Papiers für Spiele und Spielentwicklung. Zwischen Papierkunst, Brettspiel und Independent-Game-Design ge-hen sie der Frage nach, warum Papier nicht nur Ursprung vieler Spiele ist, sondern bis heute ihr Herz-stück bleibt – sinnlich, zugänglich und voller Gestaltungskraft.
3 Euro, Mitglieder Museumsverein Düren e. V. frei
Sonntag, 17.5.2026, 10 – 17 Uhr
Internationaler Museumstag
Unter dem Motto „Museen vereinen eine geteilte Welt“ begehen Museen auf der ganzen Welt den diesjährigen Internationalen Museumstag. Das Leopold-Hoesch-Museum und das Papiermuseum Dü-ren setzen dabei auf ein vielseitiges Programm mit Musik und gemeinsamem kreativen Schaffen: Ne-ben Kurzführungen, kulinarischen Highlights und dem traditionellen Papierschöpfen locken zwei DJ-Sets in die Ausstellungen im LHM. In der offenen Papierwerkstatt tauchen wir ins „Paperverse“ ein und kre-ieren unsere eigenen Pop-up-Welten. Beim offenen Workshop „Kids teach kids: Aus Strich wird Tier, aus Tier wird Zoo, aus Zoo wird Kunst!“ im LHM stehen zwei junge, erfahrene Malspezialisten den teil-nehmenden Kindern mit Rat und Tat zur Seite.
Der Eintritt ist frei.
Samstag, 7.11.2026, 18 – 24 Uhr
Lange Nacht der Museen
Jetzt vormerken: Das Leopold-Hoesch-Museum und das Papiermuseum Düren bieten ein vielseitiges Programm für Jung und Alt.
Der Eintritt ist frei.
Jeden Sonntag von 13-16 Uhr
Traditionelles Papierschöpfen GOES REPULPING
Angeregt von den Repulping-Papieren in der Sammlung wird die Bütte in der Dauerausstellung seit Sommer 2025 mit aufbereitetem Altpapier als Zellstoffersatz (Repulping) befüllt. Alte Flyer, Postkarten und Plakate aus den Restbeständen der Dürener Museen erhalten so ein zweites Leben in neuer, far-benfroher Form.
Jeden Sonntag, 13-16 Uhr
Papierschöpfen
Tipp: Auch individuell buchbar!
Jeden 1. Sonntag im Monat, 14-15 Uhr
Öffentliche Führung
Jeden 3. Sonntag im Monat, 11:30-13 Uhr
Familienführung
