Düren. Wie kann das ehemalige Wohnhaus des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll in Langenbroich für Besucherinnen und Besucher geöffnet werden, ohne den einzigartigen Charakter des Ortes zu verlieren“ Mit dieser Frage haben sich Studentinnen und Studenten der Fakultät für Architektur der TH Köln im Rahmen eines Architekturwettbewerbs beschäftigt.
Die Preisträger wurden jetzt im Dürener Rathaus ausgezeichnet.
Ausgangspunkt des Wettbewerbs war die Idee, die ehemals von der Familie Böll genutzte Wohnung im Heinrich-Böll-Haus künftig als kleines Dokumentationszentrum über das Leben und das Werk von Annemarie und Heinrich Böll sowie ihren kreativen Söhnen in der Eifel erlebbar zu machen. Da derzeit für ein solches Projekt weder Haushaltsmittel noch eigene Planungskapazitäten zur Verfügung stehen, bot der studentische Wettbewerb die Möglichkeit, innovative und zugleich realistische Lösungsansätze zu erarbeiten.
Der mit dem ersten Preis prämierte Entwurf stammt von Architekturstudent Julian Linz. Der Siegerentwurf überzeugt durch seinen sensiblen Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäude. Herzstück des Konzepts ist eine „Zeitschleuse“ im ehemaligen Fahrradschuppen. Besucherinnen und Besucher betreten zunächst einen abgedunkelten Raum, in dem sie Heinrich Bölls Stimme und das Geräusch einer Schreibmaschine hören. Anschließend öffnet sich das historische Wohnhaus. Ein haltend gestalteter Neubau mit Satteldach und Holzfassade ergänzt den Bestand als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. Professor Dr. Daniel Lohmann von der TH Köln hob insbesondere die Qualität des Siegerentwurfes hervor: „Er überzeugt durch eine bewusst haltende Architektursprache. Der Neubau im Entwurf fügt sich wie selbstverständlich in den historischen Ort ein und bewahrt dessen Atmosphäre. Genau diese behutsame Haltung war das Ziel des Wettbewerbs.“
Bürgermeister Frank Peter Ullrich würdigte den Wettbewerb als wichtigen Impuls für die kulturelle Entwicklung des Heinrich-Böll-Hauses: „Das Heinrich-Böll-Haus ist ein Ort von internationaler Bedeutung. Der Wettbewerb zeigt eindrucksvoll, wie sich das literarische Erbe Heinrich Bölls bewahren und gleichzeitig zeitgemäß vermitteln lässt. Mein Dank gilt den Studierenden der TH Köln für ihre kreativen und sensiblen Entwürfe.“
Der Vorsitzende des Fördervereins „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich“, Paul Larue, betonte die Bedeutung des Wettbewerbs für die langfristige Perspektive des Hauses: „Unser Ziel ist es, die authentisch erhaltenen Wohnräume Heinrich Bölls behutsam der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ohne ihren besonderen Geist zu verlieren.“ Und der Geschäftsführer des Vereins „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich, Stefan Knodel, ergänzte: „Die ausgezeichneten Entwürfe zeigen, dass sich Denkmalschutz, Erinnerungskultur und zeitgemäße Museumsvermittlung hervorragend miteinander verbinden lassen.“
Ob und wann das Konzept umgesetzt werden kann, ist derzeit noch offen. Die Stadt Düren unterstützt die Idee grundsätzlich, für ihre Realisierung müssen jedoch zunächst die finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden. Der Wettbewerb liefert dafür eine wertvolle planerische Grundlage und eröffnet neue Perspektiven für die Zukunft des Heinrich-Böll-Hauses als Erinnerungs- und Lernort.
Das Heinrich-Böll-Haus dient seit Sommer 1991 als künstlerische Begegnungsstätte und Stipendiatenhaus. Inzwischen konnten dort über 200 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, bildende Künstlerinnen und Künstler sowie Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt für einige Zeit finanziell abgesichert und frei von staatlicher Kontrolle oder Verfolgung kreativ und ungestört arbeiten. Finanziert wird das Heinrich-Böll-Haus durch die Stadt Düren, das Kulturministerium NRW, den Kreis Düren und die Heinrich-Böll-Stiftung.
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