Sie schauten nicht weg, sondern handelten: Zwei Dürener, die in sehr unterschiedlichen Situationen genau im richtigen Moment eingriffen, erhielten am vergangenen Freitag (16.10.2026) den Bürgerpreis für Zivilcourage der Kreispolizeibehörde Düren.
Birgit Ermes aus Düren wollte am Nachmittag des 15. Dezember 2024 ihre Mutter in einem Mehrfamilienhaus in Birgel besuchen. An der Haustür fiel ihr eine 90-jährige Nachbarin auf, die sie, wie sie sagt, „schon ihr ganzes Leben kennt“. Die Seniorin sprach mit einer jungen Frau und hielt dabei Geldscheine und ein Handy in der Hand. Der damals 55-jährigen Frau Ermes kam die Situation verdächtig vor, sie sprach die junge Frau an, die daraufhin davonrannte. Ohne zu zögern lief Frau Ermes hinterher und rief weitere Zeugen zu Hilfe. Mit Erfolg: Ein 45-jähriger Zeuge nahm die Verfolgung auf, hielt die Frau fest und brachte sie zum Haus zurück, wo man gemeinsam auf die Polizei wartete.
Die Tatverdächtige hatte die Seniorin zuvor mit einem Schockanruf, bei dem eine angebliche Kaution die Verhaftung eines Familienmitglieds verhindern sollte, dazu gebracht, eine fünfstellige Summe zusammenzusuchen. Dank des Eingreifens der Zeugen blieb der Seniorin ihr mühsam Erspartes erhalten. Der Zeuge, der die Frau festhielt, wird zu einem späteren Termin ebenfalls mit dem Bürgerpreis geehrt.
Der 56-jährige Sukrü Akin aus Düren stand am Morgen des 24.11.2024 mit seinem Pkw an der Kreuzung Binsfelder Straße / Wewordenstraße an einer roten Ampel. Er sah, wie eine 58-jährige Dürenerin, die ihren E-Scooter schob und die Wewordenstraße überqueren wollte, plötzlich zusammenbrach und auf den Gehweg stürzte. Herr Akin stellte sein Auto sofort am Fahrbahnrand ab und leistete Erste Hilfe.
Er brachte die nicht ansprechbare Frau in die stabile Seitenlage und kümmerte sich um sie, bis die alarmierten Rettungskräfte eintrafen. Diese mussten die Frau reanimieren und brachten sie unter laufenden Reanimationsmaßnahmen ins Krankenhaus. Es handelte sich um einen internistischen Notfall. Die Ärztinnen und Ärzte konnten das Leben der Frau retten. Laut ihrer Einschätzung hätte sie ohne die Hilfe von Herrn Akin nicht überlebt.
Die Kreispolizeibehörde Düren und ihr Behördenleiter Dr. Ralf Nolten betrachten das Handeln von Frau Ermes und Herrn Akin als vorbildliche Beispiele für gelebte Zivilcourage. Beide Fälle zeigen, wie wichtig es ist, aufeinander zu achten, im Zweifel einzuschreiten und im Notfall zu handeln. Dabei muss es nicht immer die große Geste sein; es ist wichtig überhaupt hinzusehen und dann zu handeln.
Die beiden Geehrten sind sich einig, dass sie jederzeit wieder so handeln würden. „Man sollte sich nie in Gefahr begeben, aber auch nicht wegsehen. Ich würde jederzeit wieder einschreiten und helfen“, sagt Birgit Ermes. Dass sie das ernst meint, hat sie schon einmal bewiesen: Bereits 2017 wurde Frau Ermes mit dem Bürgerpreis für Zivilcourage der Kreispolizeibehörde ausgezeichnet. Anfang 2016 war sie in der Schillingsstraße in Düren eingeschritten, als ein Mann auf einen am Boden liegenden Mann einschlug. Sie forderte den Schläger auf, von seinem Opfer abzulassen, und verfolgte ihn bei der Flucht, um seine Personalien zu erhalten. Mit der aktuellen Ehrung ist sie nun zum zweiten Mal Preisträgerin.
Auch Sukrü Akin ist überzeugt: „Jeder von uns kann einmal in eine Notlage geraten und Unterstützung benötigen. Deshalb sollte niemand zögern, für andere da zu sein. Für mich steht fest: Ich würde jederzeit wieder helfen.“
Der Bürgerpreis für Zivilcourage wird an Menschen verliehen, die sich besonders couragiert verhalten haben. Mit der öffentlichen Ehrung soll ihr vorbildliches Handeln gewürdigt und zugleich andere ermutigt werden, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Geehrt werden Menschen, denen das Schicksal anderer nicht gleichgültig war und die ohne unnötige Gefahr für sich und andere Verantwortung übernommen haben.




Übergabe Bürgerpreis für Zivilcourage 4 Quelle: (ots/Polizei Düren)


