Ihre Anzeige hier? Jetzt informieren

Diskussionen um Villa Buth: Erinnerungsort oder Abriss?

Villa Buth (Foto: Pressestelle)

Foto: Dorothee Schenk, Deutsche Stiftung Denkmalschutz


Ihre Anzeige hier? Jetzt informieren

„Gerade in Zeiten, in denen demokratische Werte und das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus wichtiger denn je sind, dürfen authentische Orte wie die Villa Buth nicht verloren gehen.“ Mit dieser klaren Aussage begründet Heinz Peltzer eine Forderung des von ihm geleiteten DGB-Kreisverbands Düren-Jülich. Es geht um eine Villa im Jülicher Stadtteil Kirchberg, die immer mehr verfällt. Viele Stimmen fordern den Erhalt des historischen Gebäudes, weil es eine wichtige Rolle im Holocaust spielte. Trotzdem droht ein Abriss. Wir geben einen Überblick zu einer langen, kontroversen Diskussion.

Vom „Judenhaus“ in die Vernichtungslager

Die Villa Buth wurde Ende des 19. Jahrhunderts, vermutlich 1893 durch den Industriellen Carl Eichhorn errichtet, der in der für den Kreis Düren wichtigen Papierindustrie tätig war. Ihren Namen erhielt sie durch den ehemaligen preußischen Offizier Emil Buth, der dort mit Eichhorns Tochter Clara einzog. Bekannt ist das Bauwerk in der Gründerzeit jedoch vor allem durch die Jahre 1941 und 1942. Damals diente es als Sammellager für mehr als 100 jüdische Bürgerinnen und Bürger, die vom sogenannten „Judenhaus“ in die Vernichtungslager deportiert wurden. Ein ähnliches Sammellager gab es an der Gerstenmühle in Düren.

Die Geschichte der Villa Buth wurde in den vergangenen Jahren mehrmals aufgearbeitet. So beschäftigte sich ein Projektkurs am Heilig-Geist-Gymnasium mit der historischen Bedeutung und führte ein Gespräch mit einer Zeitzeugin. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten auch einen Podcast zur Geschichte der Villa. Zwei Studentinnen für Architekturgeschichte der RWTH Aachen beschäftigten sich bei ihrer Masterarbeit von September 2025 bis Februar 2026 mit „Geschichte und Zukunft eines unbequemen Erbes“. Dabei entstand die Website villa-buth.de mit vielen Fotos und Erläuterungen.

Zunehmender Verfall

Nach dem Krieg wurde die Villa Buth als Unterkunft für Gastarbeiter der Firma Eichhorn genutzt. Seit 2012 steht das Gebäude an der Wymarstraße 8 jedoch leer und spätestens seit diesem Zeitpunkt gibt es einen Streit um den Umgang mit dem historischen Erbe, der in den vergangenen Monaten größer geworden ist. Birgit Enneper und Herr Timo Ohrndorf vom Arbeitskreis Villa Buth haben bei einem Vortrag im Kreisausschuss am 27. Mai diese Entwicklungen zusammengefasst.

Die Villa und die dazugehörige Parkanlage wurde bereits im Dezember 1990 von der Stadt Jülich unter Denkmalschutz gestellt. Allerdings wurde der Schutz nur mit der Architektur begründet und nicht mit der Erinnerung an den Nationalsozialismus. 2011 wurde der Denkmalschutz fortgeschrieben. Im folgenden Jahr begann dann der Leerstand. Seitdem verfällt das Gebäude, weil es keine Investitionen und keine Einigung über die weitere Nutzung gibt.

Abriss zweimal abgelehnt

Im April 2023 drohte die Untere Denkmalbehörde (UDB) Jülich dem Eigentümer der Villa Buth mit einer Ordnungsverfügung, weil dieser sich nicht ausreichend für den Erhalt des Denkmals einsetzte. Fünf Monate später reagierte der Eigentümer mit einem Antrag, das Gebäude abzureißen. Der Erhalt sei unwirtschaftlich und verhindere eine Erweiterung des Betriebs. Nach einer vorläufigen Zustimmung leitete die UDB den Antrag an das Amt für Denkmalpflege des LVR und die Obere Denkmalbehörde beim Kreis Düren weiter. Dort wurde er abgelehnt. 2025 versuchte der Eigentümer erneut, den Abriss genehmigen zu lassen. Der Antrag ging wieder von der UDB an die übergeordneten Behörden und wurde vom LVR-Amt abgelehnt. Die Behörde wandte sich im Februar an das von Ministerin Ina Scharrenbach geleitete NRW-Heimatministerium. Seitdem ist die Entscheidung über den Erhalt der Villa offen.

Forderungen nach Denkmalschutz

In den vergangenen Jahren wurden die Forderungen immer lauter, die Villa Buth mit besserem Denkmalschutz zu erhalten und einen Gedenkort darin einzurichten. Parallel zum ersten Abrissantrag 2023 bildete sich in Jülich eine Bürgerinitiative. Sie forderte die Stadt Jülich auf, den Denkmalschutz nicht nur für die Architektur, sondern auch als „authentischen Erinnerungsort
an Judenverfolgung und Holocaust zu gewähren“. Dabei suchte sie Unterstützung beim Petitionsausschuss des Landtags. Dort wurde bestätigt, dass die Villa eines der „national wertvollen Kulturdenkmäler“ sei.

Am 27. Januar 2026, dem Holocaust-Gedenktag, brachten die Grünen eine Resolution zum Erhalt der Villa Buth in den Kreisausschuss ein. Die Resolution „Keine Streichung aus der Denkmalliste, kein Abriss sondern Stärkung der
Erinnerungskultur“ wurde mit 14:3 Stimmen abgelehnt. Nach dem erneuten Abrissantrag zeigte sich auch die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) im Februar 2026 empört über den drohenden Abriss. Es gibt auch eine noch aktive Online-Petition.

Im Mai gab es dann einen ersten Erfolg für diejenigen, die sich für den Erhalt engagieren. Die UDB schrieb den Denkmalschutz fort und erweiterte wie gefordert die Begrüdung um die historische Bedeutung: „Die Villa Buth ist erwiesenermaßen ein zentraler
authentischer Ort der Judenverfolgung und des Holocaust im Jülicher Land. […] Regional ist kein in vergleichbarem Zustand überliefertes ehemaliges Judensammellager erhalten.“ Die DSD nutzte diese Entscheidung, um Anfang Juni die Forderung an die Ministerin zu erneuern, sich für den Erhalt einzusetzen. Ende Juli sprach sich dann, wie eingangs erwähnt, auch der DGB für den Erhalt aus.

Gedenkstätte mit Wohnungen?

Die Entscheidung über die Villa Buth ist weiterhin offen. In dem Vortrag beim Kreisausschuss wurden unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten vorgestellt. In dem Gebäude könnte eine Gedenk- und Bildungsstätte eingerichtet werden. Dort könnte es neben einer Dauer- und Sonderausstellungen auch Workshops und andere pädagogische Maßnahmen geben. Ein alternatives Modell sieht vor, den Gedenkort mit Wohnungen zu kombinieren.