Neuentdeckung des Dichters Franz Peter Kürten

Die Ausstellung in der Stadtbücherei ist noch bis zum 13. April zu sehen. Foto: Stadt Düren


Düren. „Tu was, dann tut sich was!“ Das erste Lied, das Sängerin Monika Kampmann, musikalisch begleitet von Ingrid Ittel-Fernau, zur Eröffnung der Ausstellung über den Mundartdichter, Radiomoderator und Brauchtumspfleger Franz Peter Kürten in der Stadtbücherei Düren sang, widmete sie dem Team des Stadtmuseums, das mit Unterstützung des Stadt- und Kreisarchiv die Ausstellung auf die Beine gestellt hat.

Es war ein Zufall, dass ein kleines grünes Bändchen mit Gedichten des Autors, der von 1891 bis 1957 lebte, im Stadtmuseum landete, auf dessen Einband Birkesdorf als Erscheinungsort vermerkt war. Das weckte die Neugier von Rolf Terkatz. Er sprach Hans-Helmut Krebs, Leiter des Kreis- und Stadtarchivs Düren, darauf an. Dieser forschte im Archiv nach und entdeckte dort jede Menge Literatur von und über Kürten, fast noch mehr als über den bekannten Dürener Mundartdichter Josef Schregel. Rolf Terkatz durchforstete diese Literatur und holte mit ansteckender Forscherfreude viele andere aus dem Stadtmuseums-Team mit ins Boot. Kontakte zur Familie von Franz Peter Kürten wurden geknüpft, eine Forschungsreise in das Archiv von Zons unternommen. Auch die Sängerin Monika Kampmann, die in den 70er Jahren durch Gerold Kürten, einen der beiden Söhne von Franz Peter Kürten, die Kölsche Mundart für sich neu entdeckte und Gedichte von Franz Peter Kürten vertont und gesungen hat, konnte Wissenswertes beitragen. 

„In Zusammenarbeit von Stadtmuseum und Stadt- und Kreisarchiv wurde ein besonderer Schatz gehoben und an das Licht der Stadtöffentlichkeit gebracht“, würdigte Bürgermeister Paul Larue das herausragende Engagement der Ausstellungsmacher.

1891 in Dünnwald geboren, zog Franz Peter Kürten 1913 nach Beendigung seiner Dienstzeit beim Militär, nach Düren, um als Handlungsgehilfe bei den Continental-Isola-Werken in Birkesdorf zu arbeiten. 1914 wurde er eingezogen, kehrte 1915 verwundet und nach einem Nervenzusammenbruch zurück nach Düren und nahm seine Tätigkeit bei den Isola-Werken wieder auf. Er schrieb Kriegsgedichte, Kinderreime und Gedichte über kleine Dinge des Alltags, Liebesgedichte an Anne Jansen aus Echtz, die seine Frau wurde. Er wanderte, zog mit Sinti und Roma über Land, arbeitete als Rundfunkmoderator, hielt Vorträge, mit denen er die Zuhörerschaft in seinen Bann zog. 1936 zog die Familie nach Köln-Ehrenfeld. In der Ausstellung sowie in der Ausgabe 36 der „Spuren“, Magazin der Dürener Geschichtswerkstatt e.V., ist das spannende Leben dokumentiert, angereichert mit vielen Zeitungsausschnitten und Gedichtbeispielen. In der Ausstellung in der Stadtbücherei sind darüber hinaus sehr viele Dokumente, Publikationen des Dichters und Objekte aus seinem Privatbesitz zu sehen sowie drei Porträts, die ihn in unterschiedlichen Lebensphasen zeigen. 

„Es lohnt sich, den Menschen und Dichter zu betrachten“, sagte Hans-Helmut Krebs bei der Eröffnung und ließ mit einem Tondokument den Dichter selber zu Wort kommen, der eines seiner Gedichte vortrug, das viele im Publikum wiedererkannten. Auch Bürgermeister Paul Larue, der über Franz Peter Kürten sagte: „Die Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt sich in seinem Leben wider wie in einem Brennspiegel.“ Wandervogelbewegung, traumatische Erfahrung des Ersten Weltkrieges, Erfolge als Dichter und Brauchtumspfleger in den 20er Jahren, Eintritt in die NSDAP 1932, Aufbau einer volkskundlichen Sammlung in Luxemburg 1940, 1944 Rückkehr nach Köln, das sind Stationen im Leben dieses vielfältigen Dichters, das mit seinem plötzlichen Tod 1957 endete. Dank des Einsatzes des Stadtmuseums-Teams kann Leben und Werk von Franz Peter Kürten nun neu entdeckt werden.

Die Ausstellung in der Stadtbücherei ist noch bis zum 13. April zu sehen.